LEBENSPHASEN LEBENSPHASEN Wir sind so vernetzt wie nie – und doch wächst die Einsamkeit. Ein Gefühl, das wehtut und krank macht, aber auch an ein menschliches Grundbedürfnis erinnert. C Soziale Medien schaffen Verbindung auf Klick – aber selten echte Nähe. Einsamkeit in den verschiedenen Lebens- phasen Jugend: Hoher sozialer Druck, ständige Vergleiche, besonders in sozialen Medien. Lockdowns haben Isolation und Ängste verstärkt. Berufsleben: Überarbeitung, funktionale Beziehungen, kaum echte Freundschaften. Ruhestand: Wegfall von Strukturen und Kontakten; der Tod des Partners kann Iso- lation verstärken. Hohes Alter: Gesundheitliche Einschrän- kungen und Scham über Gebrechlichkeit führen oft zum Rückzug. Was hilft gegen Einsamkeit? Einsamkeit hat viele Gesichter. Doch es gibt Wege heraus: Offline-Zeit – weniger Social Media, mehr reale Begegnungen Soziale Aktivitäten – Vereine, Chor, Ehrenamt oder Nachbarschafts- gruppen fördern Kontakte Kontaktpflege – sich an Geburtstage erinnern, Interesse zeigen Kleine Schritte – ein Gespräch, ein Spaziergang, eine Einladung Eine Aufgabe für die Gesellschaft Einsamkeit ist kein persönliches Versagen, sondern auch ein gesellschaftliches Pro- blem. Städte und Gemeinden können mit Nachbarschaftsprojekten, Begegnungs- orten und kulturellen Angeboten gegen- steuern. Vorsorge gegen Einsamkeit Wer Einsamkeit im Alter vermeiden will, sollte soziale und finanzielle Vorsorge kombinieren. Engagieren Sie sich, bleiben Sie aktiv – ob ehrenamtlich, sportlich oder kulturell. Das stärkt Kontakte und das Ge- fühl, gebraucht zu werden. Auch finan- Einsamkeit kann jeden treffen. zielle Absicherung hilft, gesellschaftlich teilzuhaben – etwa für Reisen, Kurse oder Hobbys. Wer früh vorsorgt, z. B. über eine PlusPunktRente, schafft sich später Frei- raum für Begegnung statt Beschränkung. Fazit Einsamkeit ist kein unausweichliches Schicksal und kein Grund zur Scham. Ent- scheidend ist, Wege aus der Isolation zu öffnen – persönlich und gesellschaftlich. Denn wir sind mehr als Individuen: Wir sind soziale Wesen, die Verbindung brau- chen. L E S E T I P P S ! WIE EINSAM SIND JUNGE ERWACHSENE IM JAHR 2024? RUTH K. WESTHEIMER, VOM GLÜCK DER VERBUNDENHEIT: 100 WEGE AUS DER EINSAMKEIT – ERKENNTNISSE AUS MEINEN ERSTEN 96 JAHREN. DAS MAGAZIN DER BVK ZUSATZVERSORGUNG · 13 laudia, 58, aus Würzburg, spürt eine Leere: Die Kinder sind aus dem Haus, die Ehe geschieden, Freundschaften zerstreut. „Es ist, als ob die Welt weiterläuft, aber ich stehe still“, sagt sie. „Ich sehe Menschen, aber finde keine Verbindung.“Nicht nur in Deutschland, auch weltweit spricht man von einer „Einsamkeitsepide-mie“. Großbritannien hat ein Ministerium für Einsamkeit, und laut Einsamkeitsba-rometer fühlt sich hierzulande mehr als jeder Zehnte oft oder sehr oft einsam. Studien zeigen: Chronische Einsamkeit schwächt das Immunsystem, erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen und Demenz. Sie ist für den Körper so schädlich wie das Rauchen von 15 Zigaretten täglich.Was ist Einsamkeit?Einsamkeit ist nicht gleich Alleinsein. Al-leinsein kann erholsam sein, Einsamkeit dagegen ist der Schmerz über fehlende Verbindung. Sie bezieht sich auf die Quali-tät, nicht die Anzahl unserer Beziehungen. Forscher zeigen: Einsamkeit aktiviert im Gehirn dieselben Areale wie Hunger oder Durst – ein seelischer Notruf aus unserer evolutionären Vergangenheit.Warum ist Einsamkeit heute so präsent?Dass Einsamkeit wächst, hat viele Ursa-chen: Pandemie-Nachwirkungen – weniger Begegnungen, mehr Rückzug. Individualisierung – mehr Singles, spä-tere Familiengründung, weniger Nähe. Arbeitswelt im Wandel – Homeoffice verringert soziale Kontakte. Digitale Kommunikation – ersetzt keine echten Begegnungen. Vergleichsdruck – idealisierte Online-Leben verstärken das Gefühl, nicht dazuzugehören.